Ständchen
Nach dem Englischen des Callanan.
Auf des Meeres blauem Spiegel
Luft und Well' zu schlafen scheint;
Süße Thränen auf den Hügel
Sanften Fall's der Nachtthau weint.
Und in seiner milden Schöne
Strahlt des Mondes lichter Schein,
Komm' an's Fenster, o Maria,
Komm' zu mir, Geliebte mein!
Aus den Stürmen dieses Lebens
Hab' zu flüchten mich gewußt
Zu dem Himmel Deiner Augen,
Zu dem Frieden Deiner Brust.
Nutzlos wär' es, Dir zu sagen,
Wie mein Herz in Liebe Dein;
Lebe wohl, Du Einzig Eine,
Gute Nacht, Maria mein!
O laß mich ein!
Nach dem Englischen des Robert Burns.
Er.
Gern wüßt' ich, ob noch munter Du,
Ob längst schon Deine Aeuglein zu,
Mir raubt die Liebe alle Ruh', -
Steh' auf und laß mich ein!
Kein Stern am dunkeln Himmel blinkt,
Des Sturmes Heulen ängstlich klingt,
Im tiefen Schnee mein Fuß versinkt, -
Drum öffne Deine Thür.
Des Windes Kälte ich nicht acht',
Wie er auch braust in finst'rer Nacht;
Die Kälte Deines Herzens macht
Mir mehr Verdruß und Pein.
Sie.
Sprich nicht vom Regen, nicht vom Wind,
Sei nicht verächtlich mir gesinnt,
Woher Du kamst, kehr' heim geschwind, -
Ich lasse Dich nicht ein!
Des Sturmes Weh'n in graus'ger Nacht,
Der irren Wand'rer schauern macht,
Gleicht nicht dem Leid, das der gebracht,
Die falschem Mann vertraut.
Die schönste Blum', die Wiesen ziert,
Zertreten einst wie Unkraut wird;
Sie lehr' dem Weib, das leicht verführt,
Welch Schicksal einst sie trifft.
Des Vögleins Lied hat erst entzückt
Den Vogler, dem sein Fang geglückt;
Vertrauend Herz wird leicht berückt, -
Und gleiches Loos wird ihm.
Bringt Liebe nicht Schmerzen
Nach dem Englischen des Thomas Moore.
Bringt Liebe nicht Schmerzen,
Nur Freude allein, -
Dann soll sie von Herzen
Willkommen mir sein.
Schenkt Leid sie mir reichlich
Und Thränen dazu,
Und was so gebräuchlich -
Sie lass' mich in Ruh'.
Seufzt Liebe von Allen,
Für Einen allein, -
Ich lass' mir's gefallen
Der Eine zu sein;
Doch soll ich es sehen,
Wie Lieb' hin und her
Zu Andern kann gehen -
Die mag ich nicht mehr.
Ich will, daß die Liebe
Sei zärtlich und treu,
Ob's Schicksal sei trübe,
Ob Glanz uns erfreu'.
Will Lieb' mich beglücken,
Der reich' ich die Hand -
Sonst will ich sie schicken
In's Pfefferland!
Wie die Bienen Blumen grüßen
Nach dem Englischen des Thomas Moore.
Er.
Wie die Bienen Blumen grüßen,
Dringend in den Kelch hinein,
Honig suchen dort den süßen, -
Will ich, Liebste, für Dich sein!
Sie.
Was das Ufer grün umkleidet,
Ist der Welle lind und klar, -
Leis' sie küssend, wenn sie scheidet,
Will ich sein Dir immerdar.
Doch man sagt, wenn fort die Süße,
Flieht die Biene flatterhaft;
Und wenn einst verweht die Küsse, -
Bächlein geht auf Wanderschaft!
Er.
Ja, weil kurz nur Blumen sprießen,
Weil die Sonnenstrahlen flieh'n,
Muß man eilig sie genießen,
Noch so lang' sie blüh'n und glüh'n. |
|
Wie ist sie schön!
Nach dem Französischen des Béranger.
Bei allen Göttern, sie ist schön,
Sie, die ich liebe immerdar!
Wie strahlt so süße Schwärmerei
Aus ihrem holden Augenpaar.
Des Lebens schönsten Hauch umweh'n
Ließ sie der Himmel nur allein;
Bei allen Göttern, sie ist schön,
Und ich, ich muß so häßlich sein!
Bei allen Göttern, sie ist schön,
Kaum zwanzig Lenze floh'n ihr schnell;
Ihr süßer Mund ist frisch erblüht,
Leicht wallt des blonden Haares Well'.
Die Musen ihr zur Seite stehn,
Sie denkt so groß, von sich nur klein;
Bei allen Göttern, sie ist schön,
Und ich, ich muß so häßlich sein!
Bei allen Göttern, sie ist schön!
Und doch bin ich von ihr geliebt;
Wie lange mußt' ich neidisch sehn
Den Reiz, der ihr Geschlecht umgiebt.
Ach, eh' die Holde ich gesehn,
Entschwand mir stets des Glückes Schein,
Bei allen Göttern, sie ist schön,
Und ich, ich muß so häßlich sein!
Bei allen Göttern, sie ist schön,
Und doch für mich ihr Herz erglüht;
Der Kranz, den ihre Hand mir wand,
Den kahlen Scheitel mir umzieht.
Ihr Schleier, die sie dicht umweh'n,
O fallt herab! Der Sieg ist mein!
Bei allen Göttern, sie ist schön, -
Und ich, ich muß so häßlich sein!
Neues Leben
Es strahlt ein helles Licht in meine Nacht,
Die erste Frühlingsluft hat es entflammt;
Wer sagt mir, ob sein Schein von oben stammt,
Wer sagt, ob Glück, ob Elend es gebracht?
Aus seinem Schlummer ist mein Herz erwacht,
Die holde Kinderzeit liegt weit zurück,
Mein Athem stockt, von Thränen glänzt mein Blick,
Es bricht aus meines Herzens tiefstem Schacht
Den Strömen glüh'nder Lava gleich, mit Macht
Ein wonnig süß Empfinden rasch empor; -
Ob ich gewinnen werd'? Ob ich verlor? -
Die Ruh' ist hin - die Liebe ist erwacht!
Meine Boten
Grüß' ihn, o Morgenröthe, mit deinem ersten Strahl,
Leucht', Sonne, seinem Pfade und grüß' ihn tausend Mal.
Ihr Blümlein hold und duftig, verborgen tief im Thal -
Sprecht ihm von meiner Liebe und grüßt ihn tausend Mal.
Ihr Vögel auf den Zweigen, singt Lieder ohne Zahl,
Mit euren schönsten Klängen grüßt ihn viel tausend Mal.
In einsam stiller Kammer, im dicht gedrängten Saal,
Sucht ihn nur mein Gedanke und grüßt ihn tausend Mal.
Ich kann ihm ja nicht zürnen, denn süß ist selbst die Qual,
Ihr meine Lieder alle, o grüßt ihn tausend Mal.
Lied
Mein Lieb hat schöne Augen.
Ja, sie sind wirklich schön!
Aus allen meinen Liedern
Könnt ihr sie strahlen sehn.
Mein Lieb spricht schöne Worte,
So süß, so schmeichend all'; -
In meinen Liedern hört ihr
Davon den Wiederhall.
Im Strahl der blauen Augen,
Im thränenfeuchten Blick, -
In seinen süßen Worten
Da liegt mein ganzes Glück! |