Erinnerung
Ist dies ein Traum, der meinen Sinn umschmeichelt,
Der mit dem Mondstrahl in das Fenster kam,
Den schweren Druck von meiner Stirne nahm,
Mit Blüthenzweigen nun mein Antlitz streichelt
Und zu mir spricht in jenen altvertrauten,
In Sturm und Trübsal nie vergeßnen Lauten?
Noch einmal steigt der Frühling mir herauf,
Noch einmal an den übersonnten Wegen
Seh ich den Flieder seine Trauben regen,
Narzissen schauen leuchtend zu mir auf,
Und durch den Garten kommt ein Schritt gegangen,
Der treibt das Blut in meine jungen Wangen.
Vor lauter Sehnsucht ist das Herz mir schwer.
Mit meinen Locken spielen Morgenwinde,
Und an der Mauer wiegt die alte Linde
Breitästig ihre Blüthen hin und her.
Darunter wartet er, daß meine Seele
In langem Kuß der seinen sich vermähle.
Erinnerung, wie gingst du all die Zeit
So farblos neben mir, so altbedächtig,
Wie trittst du heute gar so übermächtig,
So frühlingsfrisch in meine Einsamkeit
Und lockst aus stillen, grün umwachsnen Tiefen
Sehnsucht und Thränen, die so lange schliefen.
Liebesruhe
Wie war ich erst so scheu und wild!
Und nun, so ganz Dir hingegeben,
Ist alle Unrast süß gestillt!
Ein Friedenshauch zieht durch mein Leben,
Wie über reifendem Gefild
Wohl schon die Ernteglocken schweben.
Weihe
Ich liebe diese Form, die dich entzückt!
Die weiße Brust, an der dein Haupt gelegen,
Und diesen Nacken, den dein Arm umschlang.
Seit deines Kusses Wonne mich durchdrang,
Liegts über mir wie ein geheimer Segen,
Ein Frühlingsglanz, der meine Glieder schmückt!
Ich liebe dieser Augen lichten Schein,
Seit sie, zwei Sterne, über dir gestanden,
Und dieser Stimme warmen, vollen Klang,
Die deine Sehnsucht einst zur Ruhe sang!
Der Mund ist süß, den deine Lippen fanden,
Und diese Seele heilig, seit sie dein!
Die Liebe hebt mich über mich empor,
Daß ich mich selbst wie etwas Fremdes sehe,
Und meine Schönheit trage wie ein Kleid,
Wie einen Schmuck, der deinem Dienst geweiht:
Der Sonne gleich, lockt deine liebe Nähe
Mich aus mir selber sehnsuchtsvoll hervor!
Im Lampenschein
Das ist ein lieb Beisammensein,
Wenn über uns die Wanduhr tickt
Und dir der Arbeitslampe Schein
So voll ins frohe Antlitz blickt!
Ich rühr' dich manchmal heimlich an,
Nur, daß ich weiß: ich habe dich -
Dann lächelst du, geliebter Mann,
Und nickst mir zu und küssest mich! |
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Auf der Schwelle
Wie regt des Abends
Verliebter Hauch
So sanft die Wellen
Und Busch und Strauch,
Drückt weiche Falten
In mein Gewand
Und hebt mir schmeichelnd
Das Gürtelband.
Ein Gruß.. ein Seufzer..
Ein heimlich Wehn -
Ward nichts gesprochen,
Ist nichts geschehn,
Und dennoch weiß ich
Zu dieser Frist,
Daß meine Stunde
Gekommen ist ...
Durch meine Seele ein Ahnen geht,
Daß auf der Schwelle die Liebe steht!
Wehe Liebe
Du sagst, ich sei jung -
Das nimmt mir die Ruh,
Du sagst, ich sei schön -
Ich weine dazu!
Was soll mir die Jugend,
Ich bin ja allein,
Was taugt mir die Schönheit -
Sie ist ja nicht dein!
Ich habe dich lieb -
Du fühlst nicht, wie sehr,
Ich trage ein Leid -
Du weißt nicht, wie schwer!
Ich hatte ein Hoffen,
Das ist nun todt ...
Ach, Gott,
Erbarm' dich meiner Noth!
Stille Siege
Schon sank die Dämmrung still auf Berg und Halde,
Ein blasser Stern stand wartend überm Walde,
Des Wanderns müde, lag der Wind im Hain,
Und grüne Halme schläferten ihn ein.
Da strich sein Athem friedevoll und sacht -
Wie Kinder athmen - durch die Sommernacht.
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Wir schritten schweigend auf verlassnen Wegen,
Dein Sehnen schwoll mir lebenswarm entgegen,
Und ahnend fühlte ich die scheue Gluth,
Mit der dein Blick auf meinem Mund geruht.
Wir brauchten nur die Hände auszurecken,
So warst du mein - so war ich dein.
Doch zwischen uns, mit leuchtendem Gesicht,
Ging etwas Fremdes, Geisterhaftes hin,
Die fromme Seele jener Abendstunde,
Die wehrte - "Nein -"
Da schlief die Sehnsucht unsres Blutes ein,
Und in die große, feierliche Runde
Schritt ich mit dir, verklärten Sinns, hinein.
Sehnsucht nach dem Geliebten
Um dich hab ich die ganze Nacht
In Weh durchweint, in Noth durchwacht,
Um dich begrüßt mit heißem Schlag
Mein Herz den grauen Wintertag -
Ach, wirst du kommen, Liebster mein,
Die Sonne dieses Tags zu sein?
Das Leben rinnt uns durch die Hand,
Ist jeder Tag ein Körnlein Sand,
Das häuft sich an und lastet schwer,
Darunter blüht kein Hoffen mehr -
O komm, so lang der Sonnenschein
Uns noch umleuchtet, Liebster mein! |